Pflegestellenhunde – die Vergessenen?

Pflegestellen sind schon eine tolle Sache. Bekommt der Hund doch die Chance auf ein Sofaplaetzchen und auf eine Ausreise, was seine Lebensqualitaet sprunghaft verbessert.

Er wird umsorgt und gepflegt, kommt meist zu schon vorhandenen Hunden, lernt das ABC des Ablaufes in seiner Pflegefamilie kennen und kann sich in Ruhe eingewoehnen. 

Nun findet man Pflegehunde die jedoch schon sehr lange auf PS sind. Vor ein paar Tagen entdeckte ich einen, der über 2! Jahre schon auf PS sitzt. 

Woran liegt das? Ist der Hund nicht huebsch genug, auffaellig im Verhalten oder vielleicht sogar erkrankt und bedarf regelmaessiger Medikamente? 

Nun, der Hund war nicht haesslich, gesund und sozial eingewoehnt und vertraeglich.

Das Aussehen – Schoenheit liegt immer im Auge des Betrachters. Innere Schoenheit erschliesst sich auch immer erst auf den zweiten Blick. Auch wird ein Hund erst richtig schoen wenn er zum passenden Halter kommt. Er entwickelt sich innerlich und auch ausserlich geht eine Entwicklung vonstatten.

Der Hund entspannt sich und seinen Koerper. Das Fell faengt an zu glaenzen, der Gang wird weich und wirkt unverkrampft und die Gesichtszuege entspannen sich. Die Augen fangen an zu glaenzen und man kann in diesen foermlich die neu erwachte Lust auf Leben erkennen.

Bestes Beispiel meine schwarze Galga oder mein Podi. Die Galga abgemagert, graue Schnauze und ins leere blickende Augen, mein Podi schwerst verletzt und nur nich Haut und Knochen, aber mit flehendem Blick in denen Lebenswille erkennbar war.

Und heute? Schaue ich heute in die Gesichter der beiden, sehe ich Zufriedenheit, unbaendige Lebenslust und Dankbarkeit – nein, dass ist keine Einbildung. 

Nur wer sich tatsaechlich voll und ganz darauf einlaesst, wird das erleben.

DAS ist jedoch die Hardcorevariante wenn man sich fuer einen Hund aus dem Auslands-Tierschutz entscheidet der geradewegs aus Spanien kommt! Man braucht Zeit, Geduld, Einfuehlungsvermoegen und in der Regel eine Menge Geld.

Und somit waeren wir wieder bei den Pflegestellenhunden und es erklaert sich, warum diverse Hunde auf Pflegestellen bleiben, ohne jemals eine Anfrage zu erhalten.

Ihnen fehlt der Nimbus des leidenden Hundes! Wird doch gerade im Tierschutz viel ueber Mitleid vermittelt. Und man koennte meinen, je staerker ein Hund leidet umso groesser das Interesse an dem Hund von potentiellen Interessenten! Fuer mich ein zweischneidiges Schwert, da die wenigsten wissen was sie sich ins Haus holen und oft im Alltag ueberfordert sind. Die Zahl der Ruecklaeufer zeigt dies unweigerlich, wenn der Anruf kommt: Der Hund muss weg und zwar sofort!

Hier sind die Vereine gefordert, das solche Hunde in gute UND erfahrene Haende kommen!

Den Interessenten sei jedoch ans Herz gelegt, schauen sie sich Hunde auf Pflegestellen an. So umgeht man oft die Gefahr ein Ueberraschungsei zu bekommen, mit dem man eventuell ueberfordert ist. Gerade als Anfaenger. Sie koennen in aller Ruhe und sicher auch bei mehreren Besuchen, einen Hund kennenlernen und gefuehlsmaessig schon erkennen ob eine Bindung entsteht.

Sie erhalten Tipps aus erster Hand von der Pflegestelle selbst und nicht selten entstehen so neue Freundschaften und dadurch auch weitere Kontakte in die Hundeszene. Sie haben einen Ansprechpartner in der Naehe der den Hund kennt, und ihnen in der Regel auch nach dem Umzug des Hundes noch gerne behilflich ist.

Und seien sie versichert, sie tun genau soviel Gutes wie wenn sie einen halbverhungerten, aengstlichen und verflohten Hund direkt aus der Perrera holen – ihr Pflegestellenhund war in der Regel naemlich auch einmal ein halb verhungerter, aengstlicher und voellig   verflohter Hund!

Und sie tun noch was Gutes. Sie schaffen einen freien Platz auf einer erfahrenen Pflegestelle, auf der wieder ein Hund auf das Leben in Deutschland vorbereitet werden kann! Und wer weiss, wenn sie genug Erfahrungen gesammelt haben – vielleicht werden sie ja selbst einmal Pflegestelle oder sie holen sich sogar einen zweiten eigenen Hund 😉

Deshalb – vergessen sie bitte NICHT die zahlreichen Hunde auf deutschen Pflegestellen. Auch diese Hunde haben in der Regel ueber Gebuehr gelitten und wollen nur eines – endlich in der eigenen Familie ankommen! Danke!

 

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7 Kommentare

  1. Gut geschrieben, CHAPEAU!
    Eines sollte aber ganz deutlich gesagt werden: Jeder Tierschutzhund bringt sein ‚Köfferchen‘ voll mit mehr oder weniger schlimmen Erfahrungen mit. Einen Hund frei ab Flughafen oder gar Autobahnparkplatz zu adoptieren ist ein großes Risiko, die berühmte Katze im Sack.
    Im seriösen Auslandstierschutz werden die Tiere immer auf Pflegestellen gebracht, um sie auf ein Leben als deutscher Familienhund vorzubereiten. Das ist die EINZIGE CHANCE, die RICHTIGEN MENSCHEN für den jeweiligen Hund zu finden.
    Ganz egal wie lange ein Hund bei uns lebt, für mich als Pflegestelle ist eines oberstes Gesetz: Habe ich das Gefühl, es passt nicht zwischen Interessenten und Pflegehund, so kommt keine Vermittlung zustande…auch wenn dafür vielleicht einw weiterer Hund nicht nach Deutschland kommen kann.

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  2. Wir als Pflegestellen haben viel mit zu entscheiden was die neue Hundefamilie anbelangt und nach einer langer zeit fällt es noch schwerer den Hund weiter zu geben weil er ins ❤ gewachsen ist und die neue Familie muss noch perfekter sein 😉 und da sich dies nicht gefunden hat sind wir nun zum Pflegstellenversager geworden also bitte hilft mit das es nicht noch mehr pflegstell versager gibt .

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  3. Alles schön und gut, für mich sind da die Vereine verantwortlich, die die Tiere auf PS setzen und sich dann nicht mehr genügend darum kümmern. Erlebe es leider sehr oft, dass Tiere viel zu lange auf PS sitzen, weil sich die Vereine, sind die Tiere erstmal auf PS, nicht ausreichend um die Vermittlung bemühen. Leider gibt es auch zu viele, nicht kompetente Pflegestellen, auch eine PS sollte sich darum bemühen, dass ein Pflegi schnellstens gut vermittelt wird.

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    1. Hallo Klaus leider ist das nicht ganz richtig denn auch Tierschützer sind Leute die Arbeiten ich habe schon sehr viele fellnasen aufgenommen und der ein oder andere muss dann auch erst mal lernen ob es stubenrein oder Vertrauen zum Menschen ist es kommt nicht gleich der perfekte Hund auch nicht in die Pflegestelle bei vielen Hunden ist es ja so die kennen gar kein Haus

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  4. Volker schreibt: …“Fuer mich ein zweischneidiges Schwert, da die wenigsten wissen was sie sich ins Haus holen und oft im Alltag ueberfordert sind…“ Da kann ich nur ein ganz dickes Ausrufezeichen hinter machen!!! Bei unserer Hundedame (aus Rumänien) hat es fast 2 Jahre (!!!) gedauert, bis die Kleine auch Fremden gegenüber ein wenig „aufgetaut“ ist. Das erfordert unendlich viel Geduld, immer wieder einen Schritt zurück und dann wieder 2 nach vorne. Geduld, die viele Menschen im Endeffekt gar nicht aufbringen können oder wollen – vor allen Dingen über solch einen langen Zeitraum. Da hatte es unser Podi aus Volker’s PS wesentlich einfacher! Er ist bereits nach kurzer Zeit ein sehr selbstbewußter „Herr“ geworden, der sich auch anderen Rüden gegenüber behauptet, der Kleinen zudem Sicherheit gibt und einfach nur Lebensfreude pur ausstrahlt…
    Die Interessenten an Hunden aus dem Tierschutz sollten sich also wirklich im VORFELD überlegen, ob sie bereit sind, lange, wirklich lange Zeit sehr viel Geduld und eine Menge Einfühlungsvermögen aufzubringen damit ein Hund aus dem Tierschutz sich eingewöhnen kann. Für diejenigen die jetzt bereits ins grübeln kommen, wäre ein Hund von einer Pflegestelle wirklich die bessere Alternative – und man tut trotzdem ein gutes Werk für die kleine Tierseele!!!!

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  5. Volker schreibt mir aus der Seele.

    Unsere HOPE, misshandelt in Spanien, eine Gesichtshälfte zeigte eine riesige Wunde, die inzwischen verheilt ist. So viele Adoptionsanfragen kamen für sie, obwohl anfangs niemand etwas über ihren Charakter sagen konnte. Egal, viele wollten sie adoptieren und somit kam sie nicht zu uns in Pflege, dafür aber Miri. Gleiches Alter, gleiche Farbe, super lieb, stubenrein, katzenvertäglich, sozial …. einfach nur ein Schatz, aber NIEMAND WILL SIE.

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